Drei Anlageklassen fallen gleichzeitig – das ist ungewöhnlich
Anfang 2026 passiert etwas, das viele Anleger nervös macht: Tech-Aktien, Gold und Krypto korrigieren gleichzeitig. Der Nasdaq 100 tritt auf der Stelle, Microsoft und SAP rutschen zweistellig ab, Gold hat seinen schlimmsten Tag seit 40 Jahren erlebt und Bitcoin notiert rund 44 Prozent unter seinem Allzeithoch.
Gleichzeitig steigen Aktien aus ganz anderen Branchen: Industriewerte, Finanzaktien, Gesundheitstitel. Der Small-Cap-Index Russell 2000 hat seit November um elf Prozent zugelegt – die berühmten Magnificent Seven nur etwa halb so stark.
Was passiert hier? Die Finanzmärkte erleben eine große Sektorrotation – und die hat direkte Auswirkungen auf dein Portfolio.
Was ist eine Sektorrotation?
Eine Sektorrotation bedeutet: Kapital fließt nicht aus dem Aktienmarkt ab, sondern wird innerhalb des Marktes umgeschichtet. Anleger verkaufen Aktien aus einer Branche und kaufen dafür Aktien aus einer anderen.
Konkret passiert gerade Folgendes:
| Kapital fließt RAUS aus | Kapital fließt REIN in |
|---|
| Tech-Giganten (Magnificent Seven) | Industriewerte |
| Kryptowährungen | Finanzaktien |
| Gold und Silber | Gesundheitswesen |
| Spekulative Wachstumswerte | Konsumgüter |
| Energieunternehmen |
Das ist keine Panik und kein Crash. Es ist eine gezielte Umschichtung von hoch bewerteten Gewinnern der letzten Jahre in günstigere Nachzügler.
Warum die Rotation gerade jetzt passiert
Drei Faktoren treiben die Sektorrotation an:
1. Tech-Aktien sind extrem teuer geworden
Die Magnificent Seven – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta und Tesla – sind seit Beginn des Bullenmarktes vor drei Jahren um rund 300 Prozent gestiegen. Viele handeln mit einem KGV von über 30. Gleichzeitig liegen Value-Sektoren wie Gesundheit und Industrie bei KGVs in den niedrigen bis mittleren 20ern.
Irgendwann wird der Bewertungsunterschied zu groß. Genau das passiert gerade.
2. Die Gewinne verteilen sich breiter
Bisher haben die sieben größten US-Konzerne rund 50 Prozent aller Gewinne im S&P 500 erwirtschaftet. Für 2026 erwarten Analysten, dass dieser Anteil auf 46 Prozent sinkt. Gleichzeitig soll das Gewinnwachstum der restlichen 493 Unternehmen von sieben auf neun Prozent steigen.
Das bedeutet: Die Musik spielt nicht mehr nur bei Big Tech – auch andere Branchen verdienen jetzt gut.
3. Das Zinsumfeld begünstigt Value-Aktien
Die EZB hat bei ihrer Sitzung am 5. Februar 2026 die Leitzinsen bei 2,0 Prozent belassen. Die US-Notenbank hält die Zinsen ebenfalls auf erhöhtem Niveau. In einem Umfeld mit höheren Zinsen sind Unternehmen mit stabilen Cashflows und Dividenden attraktiver als spekulative Wachstumswerte, die erst in der Zukunft Gewinne versprechen.
Was das für deinen MSCI World bedeutet
Hier wird es für die meisten deutschen Anleger konkret. Der MSCI World – das Standardprodukt in Millionen von Sparplänen – hat ein Problem:
Die Tech-Lastigkeit
Der MSCI World besteht zu etwa 72 Prozent aus US-Aktien. Die Magnificent Seven allein machen rund 20 Prozent des gesamten Index aus. Wer einen MSCI World ETF besitzt, hat also ein massives Klumpenrisiko in US-Tech.
Solange Tech die Märkte dominiert hat, war das ein Vorteil. Jetzt, wo die Rotation einsetzt, wird es zum Nachteil.
Was das in Zahlen bedeutet
| Szenario | Auswirkung auf MSCI World |
|---|
| Tech fällt 10%, Rest steigt 5% | MSCI World ca. +1,5% |
| Tech fällt 15%, Rest steigt 8% | MSCI World ca. +2,5% |
| Tech fällt 20%, Rest stagniert | MSCI World ca. -4% |
Der MSCI World wird die Rotation also abfedern, aber nicht optimal davon profitieren. Das ist der Preis der Tech-Übergewichtung.
Welche Branchen jetzt profitieren
Die großen Investmenthäuser sind sich einig: Diese Sektoren sind die Gewinner der Rotation.
Industrie und Maschinenbau
Europas Infrastrukturprogramme – allen voran Deutschlands 500-Milliarden-Sondervermögen – pumpen Milliarden in Bau, Schiene und Energie. Unternehmen wie Siemens, das kürzlich SAP als wertvollstes DAX-Unternehmen abgelöst hat, profitieren direkt.
Gesundheitswesen
Nach Jahren der Underperformance sind Pharma- und Medizintechnik-Aktien günstig bewertet. Die alternde Bevölkerung sorgt für strukturell wachsende Nachfrage – unabhängig von Konjunkturzyklen.
Finanzwerte
Banken und Versicherungen profitieren von den erhöhten Zinsen. Die Zinsmarge – der Unterschied zwischen Kredit- und Einlagenzinsen – ist so hoch wie seit Jahren nicht.
Konsumgüter
Defensive Qualitätsunternehmen mit verlässlichen Dividenden werden in unsicheren Zeiten wieder geschätzt. Stabile Cashflows und moderate Bewertungen machen sie zum Gegenpol zu spekulativen Tech-Wetten.
Was du jetzt NICHT tun solltest
Fehler 1: Tech-ETFs panisch verkaufen
Die Sektorrotation bedeutet nicht, dass Tech-Aktien wertlos werden. Apple, Microsoft und Co. sind weiterhin hochprofitable Unternehmen. Wer jetzt alles verkauft, realisiert möglicherweise Verluste und verpasst die nächste Tech-Rally.
Fehler 2: Alles auf Value umschichten
Das Gegenteil ist genauso gefährlich. Wer blind von Tech in Value wechselt, betreibt Market Timing – und das funktioniert fast nie. Die Rotation kann morgen pausieren, sich beschleunigen oder umkehren.
Fehler 3: Auf Finanz-Influencer hören
In Phasen der Unsicherheit explodieren die "Tech ist tot"- und "Value ist King"-Schlagzeilen. Die Wahrheit ist: Niemand weiß, wie lange die Rotation anhält. Wer auf kurzfristige Prognosen wettet, verliert meistens.
Was du stattdessen tun kannst
1. Dein Portfolio auf Klumpenrisiken prüfen
Schau dir ehrlich an, wie viel Prozent deines Portfolios in Tech steckt. Wenn du nur einen MSCI World ETF besitzt, sind es automatisch rund 20 Prozent allein in den Magnificent Seven. Ist das ein Risiko, mit dem du leben kannst?
2. Breiter diversifizieren
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Tech-Lastigkeit zu reduzieren:
- MSCI World Equal Weight: Gleiche Gewichtung aller Aktien statt Marktkapitalisierung – deutlich weniger Tech-Klumpen
- MSCI ACWI oder FTSE All-World: Enthält auch Schwellenländer und reduziert den US-Anteil
- Regionale ETFs beimischen: Ein Europa-ETF oder ein Emerging-Markets-ETF als Ergänzung
- Branchen-ETFs: Gezielte Beimischung von Gesundheit, Industrie oder Finanzen
3. Rebalancing durchführen
Wenn Tech in den letzten Jahren überproportional gewachsen ist, hat sich deine ursprüngliche Gewichtung automatisch verschoben. Regelmäßiges Rebalancing bringt dein Portfolio zurück ins Gleichgewicht – du verkaufst automatisch teuer und kaufst günstig nach.
4. Den Sparplan einfach laufen lassen
Für die meisten Anleger mit einem breit gestreuten ETF-Sparplan ändert sich nichts. Der MSCI World wird von der Rotation nicht zerstört – er profitiert nur weniger davon als ein breiter diversifiziertes Portfolio. Der Sparplan kauft weiter automatisch ein, egal welche Branche gerade vorne liegt.
Historischer Vergleich: Was bei früheren Rotationen passiert ist
Sektorrotationen sind kein neues Phänomen. Ein Blick in die Geschichte:
| Phase | Was passierte | Ergebnis |
|---|
| 2000–2003 | Dotcom-Blase platzt, Tech -80% | Value outperformt Tech ein Jahrzehnt lang |
| 2007–2009 | Finanzkrise, Banken fallen | Defensive Titel und Gold steigen |
| 2016–2017 | Trump-Wahl, Reflation Trade | Industrie und Finanzen schlagen Tech |
| 2020–2021 | COVID-Recovery, Rotation in Reopening-Aktien | Energie und Reise outperformen |
| 2022 | Zinswende, Tech -30% | Value und Energie dominieren |
| 2026 | Bewertungskorrektur, breites Gewinnwachstum | ? |
Die Lektion aus der Geschichte: Sektorrotationen sind normal und gesund. Sie gehören zum Markt dazu. Wer breit diversifiziert ist, muss sich keine Sorgen machen.
Was Experten sagen
"Ich höre, dass Investoren Geld aus dem Trade mit den Magnificent Seven abziehen und es anderswo im Aktienmarkt anlegen."
— Craig Johnson, Piper Sandler
"Das Gewinnwachstum der restlichen 493 S&P-500-Unternehmen soll auf neun Prozent steigen. Die Marktbreite nimmt zu."
— Strategas Asset Management
"Anleger sollten Klumpenrisiken in Wachstumstiteln reduzieren und in defensive Qualitätsunternehmen mit verlässlichen Dividenden und Cashflows umschichten."
— Goldesel Research
Fazit
Die große Sektorrotation 2026 ist kein Weltuntergang – sie ist eine gesunde Normalisierung. Nach Jahren, in denen eine Handvoll Tech-Giganten den gesamten Markt getragen hat, verteilen sich die Gewinne jetzt breiter. Für Anleger mit einem MSCI World ETF bedeutet das: weniger Rendite aus Tech, aber auch weniger Abhängigkeit von wenigen Unternehmen.
Die wichtigsten Punkte:
- Tech, Gold und Krypto korrigieren gleichzeitig – Kapital fließt in Value und Industrie
- Die Magnificent Seven sind mit KGVs über 30 hoch bewertet, Value-Sektoren deutlich günstiger
- Der MSCI World hat ein Klumpenrisiko von rund 20% in nur sieben Tech-Aktien
- Sektorrotationen sind normal und historisch gesehen gesund für den Markt
- Panikverkäufe und hektisches Umschichten sind die falschen Reaktionen
- Breitere Diversifikation und regelmäßiges Rebalancing sind der beste Schutz
- Der ETF-Sparplan bleibt auch in der Rotation dein bester Freund
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